Protestkundgebung: Goldforum aufschürfen!

Mittwoch, 17. April, 17.30 Uhr, vor dem Park Hyatt Hotel, Beethovenstrasse 21, Zürich

Aufruf und weiteres auf Indymedia und Tour de Lorraine und facebookEuropean Gold Forum Protest

Mobilisierungsvideo

12.4.: Infoveranstaltung Rosia Montana

10.4.: Film Rosia Montana

11. April bis 2. Mai 2013: Infotour “Goldhandel mit Kolumbien”

11. April 2013, Zürich: Filmabend zu Goldabbau in Guatemala

WOZ Artikel

Goldforum

Was ist das European Gold Forum?
Das European Gold Forum (EGF) ist der Europäische Ableger des Denver Gold Forum, der wichtigsten Konferenz für Goldminen-Firmen. Die allermeisten dieser Firmen haben ihren Sitz in Kanada, einige auch in UK, USA, Australien oder Südafrika. Teilnehmen dürfen nur ausgewählte und eingeladene Firmenvertreter und besonders wichtige Investoren. Dabei geht es um Networking, aber auch um mehr: Die meisten der genannten Firmen sind von mittlerer Grösse, betreiben z.Bsp. bereits eine Mine und haben ein, zwei neue Projekte im fortgeschrittenen Stadium. Um eine neue Mine zu bauen, braucht es sehr viel Geld. Die Infrastruktur kann Hunderte von Millionen kosten. Deshalb brauchen die Firmen Partner, oder sie verkaufen gleich das ganze Projekt (oder die Firma) an einen der Mega-Konzerne im Sektor wie Newmont, Barrick Gold, Xstrata oder an Chinesische Investoren. Solche Deals werden am EGF in Zürich eingefädelt und abgeschlossen. Auf der Webseite des EGF wird betont, dass das Park Hyatt Hotel gut geeignete Nebenzimmer anbietet, die sich für Vertragsunterzeichnungen eignen.

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Was ist das Problem mit dem Goldabbau?
Gold wurde schon immer abgebaut. Was ist also das Problem damit? Die heute angewandte Technologie des industriellen Goldabbaus hat nichts mehr mit dem ‘alten’ Bild zu tun: Früher wurden gezielt unterirdische Erzschichten mit hohem Goldgehalt mechanisch abgebaut. Diese Vorkommen sind aber nun weitgehend erschöpft. Moderne Minen sind so gigantisch, dass man sie auf Satellitenbildern mühelos aus grosser Distanz erkennen kann. Im Tagbau werden Tausende Tonnen von Gestein gesprengt und dann mechanisch zu einem Pulver zermahlen, welches mit dem hochgiftigen Zyanid beträufelt wird, um das Gold heraus zu lösen (sogenanntes „heap-leaching“ Verfahren). Dazu braucht es riesige Mengen an Energie, Sprengstoff, Chemikalien und Wasser – oft in Regionen, die unter Trockenheit leiden. Dagegen braucht es ‘dank’ der Mechanisierung relativ wenig Arbeitskraft.
Der Auslösungsprozess hinterlässt grosse Mengen eines hochgiftigen Schlamms. Neben dem Zyanid sind darin auch Schwermetalle, Arsen und je nach dem auch radioaktive Metalle vorhanden, die im Gestein natürlicherweise gebunden sind und jetzt freigesetzt werden. Dieser Schlamm wird in einem Staubecken (dem „tailings pond“) abgelagert. Diese Becken sind undicht, werden bei starkem Regen überschwemmt, und wenn ein Damm bricht, bedeutet das die Vergiftung einer ganzen Region. In manchen Fällen wird der Giftschlamm auch direkt in Flüsse oder ins Meer geleitet.
Heute geht es um sehr tiefe Konzentrationen von wenigen Gramm Gold pro Tonne Gestein. Solche Vorkommen gibt es an recht vielen Orten auf der Welt (auch in der Schweiz, etwa in Graubünden oder im Napf). Damit sich das Geschäft lohnt, müssen aber die Kosten möglichst tief gehalten werden, zum Beispiel durch subventionierte Preise für Energie und Wasser, tiefe Löhne, tiefe Steuern, schwache Umweltbestimmungen und eine Bevölkerung, die sich ‘schlecht wehren’ kann. Deshalb suchen sich die Firmen wirtschaftlich schwache Regionen, wo sie sich die Zustimmung zu ihrem gefährlichen Geschäft ‘günstig kaufen’ können. Dazu gehört oft, dass eine korrupte Regierung und Justiz bereit ist, allfälligen Widerstand mit staatlicher Gewalt zu unterdrücken.
Und all das für ein ziemlich nutzloses Produkt: 54% des nachgefragten Golds wird für Schmuck verwendet, 35% als „Wertanlage“ eingebunkert. Nur 11% hat eine industrielle Verwendung (z.Bsp. Elektronik) – diese Menge lässt sich problemlos aus Recycling abdecken, ohne dass je ein weiteres Gramm aus dem Boden geholt werden müsste.

Welche Rolle spielt die Schweiz im Goldgeschäft?
Die Schweiz hat eine zentrale Stellung im weltweiten Gold-Geschäft. Schätzungsweise werden mindestens zwei Drittel des jährlichen Bedarfs von 3800 Tonnen über die Schweiz verschoben – und zwar physisch, nicht nur als virtuelle Handelsware. Dabei sind die Goldraffinerien besonders wichtig. Diese schmelzen Rohgold, das direkt aus den Minen der ganzen Welt eingeflogen wird, wie auch Altgold zu zertifizierten, reinen Goldbarren um. Es gibt 5 solche Raffinerien: Valcambi SA, Argor Heraeus und PAMP im Tessin, Metalor in Neuenburg, Cendres+Métaux SA in Biel. Valcambi wird von Newmont Mining kontrolliert und verarbeitet fast die ganze Produktion dieses Konzerns. Genaueres ist jedoch nicht bekannt, da die Export/Import Statistik der Schweiz nicht einmal angibt, aus welchen Ländern das Gold stammt und wohin es geliefert wird. Diese Geheimhaltung wurde zur Zeit des UNO-Embargos gegen das Apartheid-Regime in Südafrika eingeführt, um zu verschleiern, dass die gesamte Südafrikanische Produktion in die Schweiz geliefert wurde. Ohne dieses Einkommen wäre das rassistische Regime sicherlich früher zusammen gebrochen.
Die meisten Gold-Minen-Firmen haben ihren Sitz in Kanada, aber das ‘Schweizer’ Kapital ist massiv daran beteiligt. Konzerne wie Glencore und Banken wie UBS, Credit Suisse oder Julius Bär investieren in Aktien dieser Firmen, oder sie kaufen ihnen Gold ab, um es als Basis für Fonds an ihre Kunden weiter zu reichen. Einer der grössten ‘Goldschätze’ dieser Art liegt in einem Tresor in Olten. Und auch der Fakt, dass das European Gold Forum jedes Jahr in Zürich stattfindet, zeigt die grosse Bedeutung der Schweiz im Gold-Sektor.

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